Neu-Edition „Carl Loewe - Chormusik“

Autor: Dr. Heidelore Rathgen, ICLG e.V.

Die ICLG präsentiert zu den 8. Carl-Loewe-Festtagen vom 5. – 10. Oktober 2021
in Zusammenarbeit mit dem PHONUS Verlag Leipzig

Carl Loewe
(1796 - 1869)

CHORMUSIK

Band 1: *Geistliche Musik“

Band 2: *Weltliche Musik*

herausgegeben von KMD Prof. Wolfgang Kupke, Halle

gesetzt von Paul Heller; Leipzig

im Auftrag der Internationalen Carl-Loewe-Gesellschaft e.V. (ICLG)

 

Zu den unter dem Motto „Carl Loewe und seine Chöre“ stehenden 8. Carl-Loewe-Festtagen werden sowohl bekannte, als auch unbekannte oder in Vergessenheit geratene Chorwerke Carl Loewes aufgeführt. Er selbst sagte einmal mit Blick auf sein Schaffen: „Dass manche meiner Balladen vergessen wird, tut mir nicht leid; dass aber meine schönen Chöre so unbekannt bleiben, schmerzt mich.“
Das möchten die Veranstalter mit den 8. Carl-Loewe-Festtagen ändern, auch mit der musikhistorisch hoch interessanten Herausgabe zweier Noten-Bände mit den Chorwerken Carl Loewes. Die ICLG konnte für diese Neu-Edition von Loewes geistlichen und weltlichen A-cappella-Chören den langjährigen Rektor der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle, KMD Prof. Wolfgang Kupke, gewinnen. Mit den beiden Bänden vom PHONUS-Verlag Leipzig wird ein weltweit einmaliges Kompendium von Loewes Chorschaffen vorliegen, das auf ein breites nationales und internationales Echo stoßen wird.

Die Editionen umfasst 43 geistliche Werke in Bd. 1 (gemischter Chor und Männerchor)

und 45 weltliche Werke in Bd. 2 (Frauenchor, gemischter Chor, Männerchor)

Bd. 1, ca. 250 Seiten, Preis: 39,90 € (enthält mehrere Erstveröffentlichungen, zum Teil nach Loewes Originalhandschriften)

Bd. 2, ca. 250 Seiten , Preis: 39,90 €

Für Aufführungen stellt der PHONUS-Verlag Leipzig nach Wunsch diverse Einzeldrucke zu kleinem Preis in Chorstärke zur Verfügung.

 

Zu Carl Loewes Vielseitigkeit als Komponist zählen neben seinem Hauptwerk, den Liedern und Balladen sowie neben den Oratorien, Sinfonien, Klavierkonzerten, Kammermusikwerken etc. - insbesondere seine Chorwerke, die sich in weltliche und geistliche Chöre unterteilen lassen und bisher zu Unrecht nahezu unerforscht geblieben sind.

Es ist bekannt, dass Carl Loewe durch seine Mitgliedschaft im Halleschen Stadtsingechor und durch seine Unterweisungen bei Universitätsmusikdirektor Daniel Gottlob Türk in Halle bis Ende 1813 eine fundierte Grundlage in der Leitung und Ausbildung von Chören erhielt, die er dann nach seinem Amtsantritt in Stettin konsequent und äußerst erfolgreich umsetzte. Neben den Aufgaben als Musiklehrer am Gymnasium und als Lehrer für Gesang am Königlichen Seminar für Elementarlehrer (das bis April 1862 in Stettin beheimatet war) und seinen umfassenden Aufgaben als Städtischer Musikdirektor gründete er in Stettin einen gemischten Gesangsverein mit etwa einhundert Mitgliedern.

Loewe besaß ein feines Sprachgefühl und sagte einmal: „Der Gesang ist der Sprache wegen da.“ In seiner für das Gymnasium erarbeiteten Gesanglehre, die in insgesamt fünf Auflagen erschien nennt Loewe in §1 die Grundlage seines Schaffens:

„Die Thöne sind, wie die Sprache, ein natürliches Eigenthum aller Menschen … Es ist also unsere Pflicht, diese hohe Gabe auf das beste und sorgfältigste zu cultivieren und sie in ihrer höchsten Bestimmung, nämlich als Mittel zur Erweckung religiöser Gefühle, lieb zu gewinnen. Die natürlichste, bequemste und doch zugleich höchste Ausbildung in der Tonkunst ist und bleibt: der Gesang.“

Schon 1907 beklagte Leopold Hirschberg (1867-1929; Musikschriftsteller, Herausgeber mehrerer Schriften zu Carl Loewes Werken), dass man sich Loewes Chor-Kompositionen mühsam bei allen möglichen Verlegern zusammensuchen müsse. In seinem Vorwort der im Auftrag der Loeweschen Familie im Herbst 1911 herausgegebenen drei Bände „Weltliche Chöre“ schrieb er: „Viele der Chöre verfielen dem Schicksal, in den Archiven ihrer Verleger zu verstauben und schließlich zu versinken. Vor allem aber konnte man, solange eine Gesamtausgabe nicht vorlag, sich gar nicht über den Umfang von des Meisters Schaffen auch auf diesem Gebiete klar werden….“

Aktuell zeigt sich, dass die musikwissenschaftliche Aufarbeitung dieses Gebietes in der Vergangenheit eher rudimentär und unstrukturiert durch „Loewe-Enthusiasten“ unterschiedlicher Couleur erfolgte. Manche Werke stehen in gedruckter Form derzeit gar nicht mehr zur allgemeinen Verfügung und sind auch in den einschlägigen Bibliotheken nicht mehr zu finden. Die Quellenlage dazu ist sehr unterschiedlich. Teilweise liegen Früh- und Erstdrucke vor, die jedoch dringend für eine neue, moderne Nutzung aufgearbeitet werden müssen (einschließlich der Erstellung von aktuellem Aufführungsmaterial). Andere Chorkompositionen wurden bereits neu bearbeitet, jedoch nicht professionell verlegt. Und selten stehen einige Chorkompositionen nur als Notenautographen zur Verfügung, wie z. B. „Der Lindenbaum“ (op. 80 im Bestand des Carl-Loewe-Museums in Löbejün).

Ein geschlossenes Kompendium von Loewes Chorwerken gibt es jedoch bis heute nicht.

Diese schmerzliche Lücke in der Chorliteratur der Romantik soll zu den 8. Carl-Loewe-Festtagen geschlossen werden.