Stadtrundgang

Carl Loewe im Stadtbild von Löbejün

Carl Loewe ist mit dem Carl-Loewe-Haus ein bedeutsames Alleinstellungsmerkmal der Stadt Löbejün. Im Dialog zwischen Gästen der Stadt, dem Vorstand der ICLG sowie den Verantwortlichen der Stadt und des Ortschaftsrates entstand die Idee, Motive aus dem musikalischen Schaffen Carl Loewes zu nutzen, um sie im Stadtbild seiner Geburtsstadt präsent werden zu lassen. Zugleich sollten auf diese Weise leerstehende historische Gebäude der Altstadt im Stadtbild aufgewertet werden.
Auf großflächigen Mesh-Bannern sind ab Pfingsten 2021 Motive aus dem Leben und Schaffen Carl Loewes zu sehen.
Das Projekt wurde maßgeblich von der Saalesparkasse und privaten Spendern finanziert. Wir hoffen auf ein großes öffentliches Interesse.

Für die Umsetzung nutzten wir die Erfahrungen und künstlerischen sowie medienpädagogischen Kompetenzen der Hochschule Merseburg. In unserem Projekt erhielten die Studierenden unter Leitung der Dozenten Thomas Tiltmann und Christian Siegel im Carl-Loewe-Museum zunächst einen musik- und zeitgeschichtlichen Zugang zu Carl Loewe, seinem Leben und Werk. Die von den Studierenden entwickelten Bildmotive zeigen ihre intensive Auseinandersetzung mit dem musikalischen Erbe von Carl Loewe und geben eine Antwort darauf, wie es in unserer medial-kulturellen Welt vermittelt werden kann.

Die Motive und ihre Interpretation:

Plötzer Tor 1Des Glockentürmers Töchterlein
Carl Loewe: "Des Glocktürmers Töchterlein" (Text: Friedrich Rückert)
Collage: Lucie Lehmann, Lukas Linßner
Audiobeispiel

Die Collage setzt sich mit der Vater-Tochter-Beziehung auseinander und ist inspiriert von der Loewe-Ballade „Des Glockentürmers Töchterlein“.
Die außerordentliche Beziehung Carl Loewes zu seinen Kindern und im Besonderen zu seinen Töchtern findet man in Schriften über den „pommerschen Balladenkönig“ niedergeschrieben:
„Zart und reizvoll unterhielt er sich mit der weiblichen Jugend, er beugte sich tiefer zu ihnen hinab, sprach klärlicher als mit älteren Leuten, muthete ihnen aber eigentlich ebenso Hohes zu als jenen, und sie glaubten ihm nur zu gerne (…)“, so schreibt Carl Loewes Tochter Julie über ihren Vater anlässlich seines 100. Geburtstages 1896.
Bildgebend für die Collage war ein Familienportrait, auf dem Carl Loewe zusammen mit seiner Tochter Julie zu sehen ist. Dieses Portrait wurde im künstlerischen Prozess von den Verfassern nachgestellt und neu fotografiert. Als Hintergrund der Collage wurde eine historische Illustration zur Ballade „Des Glockentürmers Töchterlein“ verwendet und coloriert. Beide Bildelemente wurden zusammengefügt und zu einer bunten zeitgenössischen Interpretation einer Vater-Tochter-Beziehung abstrahiert.
Der Uhrzeiger des Glockenturms weist die Betrachter in Richtung des Carl-Loewe-Museums, in dem eine eingehende Beschäftigung mit Carl Loewe, seiner Familie und seinen Werken möglich ist.

 

Löbejüner Burgstraße 1Die Uhr
Carl Loewe: "Die Uhr" (Text: Gabriel Seidel)
Collage: Christian Siegel, Thomas Tiltmann
Audiobeispiel

Die Arbeit von Christian Siegel und Thomas Tiltmann befasst sich mit der wohl bekanntesten Loewe-Ballade „Die Uhr“.
Jeder Mensch hat seine eigene Zeit. Unser Herz schlägt uns den Takt, unser ganzes Leben lang.
Bildprägend für das Kunstwerk ist ein in blau skizziertes Uhrwerk.Unterstützt wird es durch die Messingfarbe des Banners. Es zeigt zwei Porträts von Carl Loewe. Eines schaut uns als Betrachter direkt an, durch das Uhrwerk hindurch und vor einem alten Notendruck. Das zweite Porträt, ursprünglich ein Silhouettenschnitt, lenkt den Blick in Richtung der ortsprägenden St. Petrikirche und zu Loewes Geburtshaus.
Das Bild will die Betrachter einladen, sich mit Carl Loewe, der Carl-Loewe-Gesellschaft und der Kirche, in der Loewe lernte, zu singen und Orgel zu spielen, zu beschäftigen.

 

Löbejüner Burgstraße 5Gutmann und Gutweib
Carl Loewe: "Gutmann und Gutweib" (Text: Johann Wolfgang v. Goethe)
Collage: Katja Heinemann, Anne Hilliger, Vanessa Dobinski
Audiobeispiel

Die gewählte Stadtansicht zeigt den Blick aus dem Küchenfenster von Loewes Geburtshaus hinauf zum oberen Markt. Er lässt die Betrachtenden schweifen zu verschlossenen Türen und der Frage, was dahinter wohl passiert.
Goethe hat eine Möglichkeit des Geschehens in seiner Ballade „Gutmann und Gutweib“ in Worte gefasst. Carl Loewe hat sie musikalisch inszeniert.
Die Collage wird neben dem historischen Straßenzug geprägt durch das Portrait Loewes im Hintergrund. Mit versonnenem Blick weilt er über seiner Geburtsstadt und untermalt symbolisch sein Andenken, welches er Löbejün überlassen hat.
Das bildprägende Portrait wurde mit Hilfe eines Blaudrucks bearbeitet und erhält so seinen analogen Charakter.
Die Collage bildet eine Symbiose aus dem bedeutsamen Schaffen des Komponisten und der Inspiration der Betrachtenden, Löbejün aus der Sicht Loewes zu entdecken.

 

Löbejüner Burgstraße 6 - linksMeeresleuchten
Carl Loewe: "Meeresleuchten" (Text: Carl Siebel)
Collage: Laura Bürger, Sophie Esders, Teresa Löbner
Audiobeispiel

Im Zentrum der bildkünstlerischen Arbeit steht ein moderner, junger Carl Loewe, dem die Ideen und Bilder zu einem Lied aus dem Kopf strömen. Als internationaler Musiker verarbeitet er mit Tattoos sein Leben. So hat er sich seine Töchter und den Löbejüner Kirchturm auf seinem Körper verewigen lassen.
In mehreren Bildbereichen wird das Lied “Meeresleuchten” bildnerisch umgesetzt.
Im Text dieses Liedes von Carl Siebel werden „goldenschwere“ in das Meer fallende Sonnenstrahlen beschrieben. Die von „funkensprühender Pracht“ durchglühten Wogen finden ebenso ihren Platz auf dem Bild, wie die „Strahlen aus des Meeres Grund“.
Die Farbgebung ist inspiriert von echten Meeresbildern.

 

Löbejüner Burgstraße 6 - rechtsDie Uhr (II)
Carl Loewe: "Die Uhr" (Text: Gabriel Seidel)
Collage: Thomas Tiltmann, Christian Siegel
Audiobeispiel

Bildprägend für die Collage ist das Portrait von Carl Loewe, der mit seinem Blick in die Weite des Lebens schaut. Die Augen werden von Herzen umrahmt, die von Figuren gehalten werden. Sie
symbolisieren die Liebe Carl Loewes zur Musik, zur Kirche und zu seiner Heimatstadt Löbejün.
„Die Uhr“ oberhalb des linken Auges stellt den Bezug zur Ballade her. Die verwendeten Noten zeigen einen Ausschnitt aus dieser Ballade und weisen auf das Schaffen des Komponisten hin.
Auf der rechten Schulter sind zahlreiche Zahnräder eines Uhrwerkes zu sehen. Sie könnten zum Uhrwerk der Kirchenuhr der Stadtkirche St. Petri gehören.
Die Heimatliebe Loewes und seine Verbundenheit zur Stadt Löbejün werden durch ein weiteres Motiv auf der Brust verdeutlicht. Es zeigt den Turm von St. Petri, Loewes Taufkirche.

 

Rathausstraße 32Erlkönig
Carl Loewe: "Erlkönig" (Text: Johann Wolfgang v. Goethe)
Collage: Anne Kasten, Annika Drewes, Lena Djalek
Audiobeispiel

In der Collage geht es um die Vertonung von Goethes bekannter Ballade „Der Erlkönig“ durch Carl Loewe.
Mit einer Langzeitbelichtung erstellten die Bildautorinnen eine Fotografie, bei der ein verschwommenes Gesicht zur Irritation der Betrachtenden führen soll und zugleich Spielraum lässt, sich selbst mit der Person zu identifizieren.
Der Hintergrund wurde digital eingefügt und analog mit Aquarellfarben, passend zur floralen Stimmung der Ballade, ausgemalt.
Die Mischung aus Fotografie und künstlerischer Gestaltung will etwas Außergewöhnliches zeigen, in dessen Mittelpunkt der große Sohn Löbejüns steht. Sein Portrait als Siebdruck steht im Zentrum des Bildes und wird durch die im Bild wiederkehrende Verwendung der Farben Rot und Ockergelb verstärkt und umrahmt.
Die Bedeutsamkeit des Komponisten wird darüber hinaus noch  unterstrichen, indem er von der Gestalt des Jünglings buchstäblich auf Händen getragen wird.
Die ausgerissene Schrift oben links schafft eine jugendliche Verbindung zwischen der bekannten Frage  aus Heinrich Laubes Reisenovelle „Haben Sie Loewe gehört?“ und der Auffälligkeit des Bildes beim Rundgang durch die Altstadt  Löbejüns.

 

Karl-Heyer-Straße 12 (Altes Schützenhaus) - rechtsMoosröslein
Carl Loewe: "Moosröslein" (Text: Helmina v. Chézy)
Audiobeispiel
Karl-Heyer-Straße 12 (Altes Schützenhaus) - links
Carl Loewe: "Seit ich ihn gesehen" (Text: Helmina v. Chézy)
Audiobeispiel
Collagen: Theresa Messing, Alexandra Pauline Gneuß, Angelika Semenow

Carl Loewe – der bekannteste Sohn Löbejüns - empfängt die Besucherinnen und Besucher der Stadt direkt am Ortseingang.
Auf der rechten Seite des ehemaligen Schützenhauses am Merbitzer Berg ist unschwer sein Portrait zu erkennen.
Aus seinem Kopf ragt die von seiner Tochter Julie gezeichnete Orgel der Stadtkirche St. Petri hervor. Sie steht als Sinnbild für Loewes Liebe zur Musik und zugleich stellvertretend für alle Orgeln, die er gespielt hat und die sein Leben geprägt haben.
In Erinnerung an sein Lied „Moosröslein“ umranken ihn zahlreiche Blütenköpfe.
Die linke Seite wurde von dem Lied „Seit ich ihn gesehen“ aus dem Liederzyklus „Frauenliebe“ inspiriert.Frauenliebe
Hauptthema der Arbeit ist das Hören von Loewes Musik. Den Liedtext „Seit ich ihn gesehen, glaub ich blind zu sein; wohin ich nur blicke, seh ich ihn allein …“, griffen die Bildautorinnen auf, indem sie der Frau das Augenlicht nahmen, weil sie sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren und von anderen Sinneseindrücken abgeschirmt bleiben will.
Die Schallplatte in ihren Händen trägt ebenfalls ein kleines Portrait Loewes, das erst beim genauen Hinsehen entdeckt werden kann.